Nach dem hart erkämpften 4:3 (2:1, 1:1, 1:1) gegen den 1. EV Weiden, und der gleichzeitigen überraschenden Niederlage von Miesbach gegen Buchloe sind die Erding Gladiators jetzt erstmals alleiniger Bayernliga-Tabellenführer. Die Partie gegen Weiden war an Dramatik nicht zu überbieten. „Trotz unserer deutlichen Niederlage gegen Sonthofen war für mich Weiden der bislang stärkste Gegner hier in Erding", meinte TSV-Pressesprecher Patrick Kreßler. Schnell waren die Gladiators 2:0 in Führung gegangen, durch Ales Jirik, nach 25 Sekunden, und Sebastian Lachner bei doppelter Überzahl (7.). „Dann haben wir ein bisschen aufgehört zu spielen", sagte Erdings Trainer Petr Vorisek. Etwas deutlicher formulierte es Eishockey-Legende Hans Huber. „Die Tore sind zu schnell gefallen, und da haben einige gedacht, es geht so weiter und sind überheblich geworden", analysierte der 80-Jährige. „Das hat man deutlich daran gesehen, wie pomadig einige Spieler zum Wechseln gefahren sind." Das wurde bestraft, denn angetrieben von einem überragenden Spielertrainer David Musial nahmen die Gäste jetzt das Heft in die Hand und kamen durch Marinus Kritzenberger zum 1:2 (17.). „Wir haben gesagt, wir müssen weiter Gas geben, was wir dann auch getan haben", erklärte Musial, „aber das Mädchen hat gut gehalten". Mit dem „Mädchen" meinte er TSV-Torhüterin Viona Harrer, die immer mehr in den Mittelpunkt rückte. Unter anderem entschärfte sich ein Break von Marcel Waldowsky, der ihr nach der Glanzparade mit einem Lächeln anerkennend auf die Schulter klopfte. Diese Szene war letztlich symptomatisch für diese Partie, denn trotz aller Verbissenheit und trotz des hohen körperlichen Einsatzes blieb das Geschehen auf dem Eis und den sehr gut besetzten Rängen fair. Bei den Gladiators musste Markus Poetzel mit einer Schulterverletzung in die Kabine, ihn ersetzte Lorenz Dichtl. Und der hatte in der 38. Minute seinen großen Auftritt, als er einen Schlagschuss zum 3:1 versenkte. Aber nur 61 Sekunden später verkürzte Musial auf 2:3 und alles war wieder offen. In den letzten zehn Minuten reduzierte Vorisek auf zwei Reihen, „um mit kurzen Wechseln das hohe Tempo besser halten zu können". Als in der 56. Minute Daniel Krzizok in Unterzahl ein Break zum 4:2 abschloss, schien die Sache gelaufen, doch nur 48 Sekunden später traf Florian Zellner in Überzahl zum 3:4. „In den letzten zwei Minuten ist Erding gar nicht mehr aus dem Drittel gekommen, aber es hat nicht mehr gereicht", sagte EVW-Coach Musial, und sein Gegenüber Vorisek pflichtete ihm bei: „Da haben wir auch ein bisschen Glück gehabt." Und während die knapp 900 Zuschauer, darunter etwa 200 Weidener, beide Mannschaften für ihre erstklassige Vorstellung bejubelten, warnte Kreßler: „Spitzenreiter ist zwar schön, aber nur eine Momentaufnahme."